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HERO Südtirol Dolomites: Das härteste MTB-Rennen der Welt

Bereits zum achten Mal findet am 17. Juni 2017 das Mountainbike-Kultrennen im Grödnertal in Südtirol statt. Obwohl der HERO Südtirol Dolomites als "der härteste MTB-Marathon der Welt" bezeichnet wird, habe ich mich vergangenes Jahr gemeinsam mit einem Freund an den Start gewagt. Auch dieses Jahr werden wir wieder versuchen die 3.200 Höhenmeter auf der kürzeren der beiden Strecken zu bezwingen. Bevor es für uns aber wieder nach Südtirol geht, habe ich für euch meine Erlebnisse im letzten Jahr in einem Bericht zusammengefasst.

Die Infos zu den beiden Strecken gibt es natürlich auch auf TouriSpo:

HERO Südtirol Dolomites - nur für Helden?

Start und Ziel der Sellaronda Hero ist in Wolkenstein im Grödnertal
©www.wisthaler.com Start und Ziel der Sellaronda Hero ist in Wolkenstein im Grödnertal

Ich muss gestehen, ich hatte schon sehr weiche Knie, als ich mich 2016 dazu entschieden habe, mit meinem Freund Marco am HERO Südtirol Dolomites teilzunehmen. Immerhin wird das Rennen im Südtiroler Grödnertal als “härtester Mountainbike-Marathon der Welt” bezeichnet. Dementsprechend nervös war ich, als ich unter den großen Startbanner in Wolkenstein fuhr. In großen Lettern stand “TODAY IS YOUR DAY” darauf. Dass ich diesen Tag so schnell nicht vergessen würde, sollte mir schon kurz darauf klar werden.

Dreimal pro Woche habe ich trainiert

Um das Feld zu entzerren, wurde zeitversetzt in 14 Blöcken gestartet. Da ich zum ersten Mal am Start war, ging ich im vorletzten Block auf die Strecke. Ich fühlte mich fit. Die Wochen vor dem Rennen saß ich dreimal pro Woche mehrere Stunden im Sattel und hatte bei jedem Training 1.500 Höhenmeter gemacht. Trotzdem war und bin ich weit davon entfernt ein Profifahrer zu sein. Nicht mal als Amateurfahrer würde ich mich bezeichnen. Ich fahr einfach nur gerne Mountainbike. Natürlich kam kurz vor dem Start die Frage auf: Schaffe ich die 3.500 Höhenmeter wirklich oder habe ich mich übernommen? 

Auf derselben Strecke wie die Profis

Die ersten Meter fuhren wir noch im Pulk durch Wolkenstein. Es sollten die einzigen Meter auf flacher Strecke an diesem Tag bleiben. Nach ca. 300 Meter verließen wir den Ort und das Feld schlängelte sich einen über 20 Prozent steilen Feldweg in Richtung Dantercepies hoch. Okay, was hatte mir Marco bei der Vorbereitung gesagt: “Kleiner Gang, gleichmäßig treten und versuchen möglichst den Puls in Zaum halten”. Ich war bereits im kleinsten Gang, der Weg wurde steiler und das mit dem niedrigen Puls war im Training auch irgendwie einfacher. Aber ich merkte schon: Den anderen Startern neben, vor und hinter mir ging es nicht besser. Die besten Fahrer waren schon lange auf der Strecke. Die meisten Fahrer in meinem Startblock waren ähnlich fit wie ich. Genau das macht den Reiz des HERO Südtirol Dolomites aus: Du fährst dieselbe Strecke wie die absoluten Profis. Du durchlebst den selben Schmerz bei den Anstiegen, du rast auf den selben Downhill Strecken zurück ins Tal. Nur alles ein ganzes Stück langsamer.

Die ersten Fahrer ließen wir hinter uns

Nach ca. 15 Minuten im Anstieg merkte ich, dass wir im Feld durchaus gut mithalten können. Einige Fahrer ließen wir bereits jetzt hinter uns. Als wir 800 Höhenmeter später die erste Passhöhe am Grödnerjoch erreichten, wusste ich: Das “härteste MTB-Rennen der Welt” ist nicht nur für Profis und Helden. Wenn du den Willen hast zwei Monate im Frühjahr verschärft zu trainieren und mindestens dreimal pro Woche aufs Rad zu steigen, um Höhenmeter zu machen, dann hast auch du das Zeug den HERO Südtirol Dolomites zu schaffen. Nachdem Marco und ich den Danetercepies überquert hatten, ging's erstmal bergab. Ich fühlte mich super. Ab hier begann die Sache Spaß zu machen ...

Das erwartet dich auf der Strecke

Auf der Abfahrt vom Dantercepies nach Corvara
@ www.sellarondahero.com Auf der Abfahrt vom Dantercepies nach Corvara

Die Abfahrt am Singletrail war technisch anspruchsvoller als ich dachte. Zunächst rasten Marco und ich mit 50 km/h und mehr ins Tal. Ich versuchte mich an die Tipps meines Freundes für die Abfahrt zu erinnern und war froh, eine Vario Sattelstütze zu haben. Per Knopfdruck konnte ich den Sattel am Lenker tiefer stellen. Mit dem tieferen Schwerpunkt ließen sich die Bodenwellen deutlich sicherer wegstecken. Klar, der Vario Sattel hatte einiges an Zusatzgewicht. Nach dem Rennen hatte ich aber festgestellt, dass ich auf den Abfahrten deutlich mehr Zeit liegen gelassen habe, als auf den Anstiegen. Die paar Gramm mehr waren es mir wert, auf der Abfahrt sicherer unterwegs zu sein.

Stau auf der Abfahrt am Singletrail

Nach halber Strecke der Abfahrt bremste Marco plötzlich ziemlich unsanft vor mir ab: Stau voraus! Jetzt half kein Meckern und kein Drängeln. Im Schritttempo ging es an den Schlüsselstellen talwärts. Ich war eigentlich ganz froh. Teilweise waren die Abfahrten so steil und steinig, dass ich beruhigt war, dass alle schieben mussten und nicht nur ich. Nach 10 Minuten waren wir durch den Stau und es ging etwas gemütlicher ins Tal nach Corvara im Alta Badia. Hier wartete die erste Verpflegungsstation auf uns. Es gab Wurstbrote, Kuchen, isotonische Getränke und Cola. Mittlerweile war ich im Rennmodus und stopfte mir das Essen viel zu schnell in den Mund, um wieder auf die Strecke zu kommen. Ich hätte mir die Eile sparen können, denn was uns am Anstieg zum Pralongià passierte, kostete uns viel mehr Zeit.

Die Kette riss auf einer Steilpassage

Auf einer Steilpassage etwa auf halber Höhe passierte Marco ein Schaltfehler und seine Kette riss. Der Worst Case war eingetreten, vor allem da wir kein Ersatzglied dabei hatten. Jetzt hatten wir den Beleg, dass wir doch nur Hobbyfahrer waren. Nachdem wir ca. 100 Fahrer passieren lassen mussten, hatte sich endlich ein Mitstreiter erbarmt und uns ein Kettenglied verkauft. Die Reparatur ging dann auch ganz schnell. Trotzdem hatten wir über eine halbe Stunde Zeit verloren und als wir uns wieder auf die Räder schwingen, sahen wir schon die “End of Race” Quads, die uns zeigten, dass wir verdammt knapp davor waren, ein Zeitlimit zu verfehlen. Jetzt hieß es also Gas geben, um nicht disqualifiziert zu werden.

Schmieriger Untergrund durch Regen und Schnee

Nachdem wir am Pralongià-Pass, der hinüber nach Arabba führt, wieder einige Positionen gut machen konnten, wartete schon die nächste Herausforderung: Es begann langsam zu regnen. Die anstehende Abfahrt vom Pordoi Joch war jetzt so richtig anspruchsvoll. Der Untergrund war schmierig und glatt und wir mussten verdammt aufpassen, um nicht zu stürzen. Nachdem ich nur kurze Fahrradhandschuhe hatte (siehe Abschnitt “Das Wichtigste um Durchzuhalten”) wurde es für mich jetzt richtig unangenehm. Am Sellajoch ging der Regen dann auch noch in Schnee über. Meine Finger waren eiskalt und ich musste mich höllisch konzentrieren, um auf der letzten Abfahrt nach Wolkenstein keine Bremsfehler zu machen.

Im Ziel: Das geilste Gefühl der Welt!

Auf der Zielpromenade in Wolkenstein
@ www.sellarondahero.com Auf der Zielpromenade in Wolkenstein

Als ich die letzten Bodenwellen nahm, um auf die Promenade in Wolkenstein einzubiegen, waren alle Qualen vergessen. Musik dröhnte aus den Boxen. Die Zuschauer jubelten uns zu, als würden wir um den letzten Platz auf dem Treppchen kämpfen.

Eiskalte Finger und Wadenkrämpfe

Marco und ich fuhren gemeinsam die letzten Meter ins Ziel. Ein Helfer drückte mir ein alkoholfreies Weißbier in die Hand. Ich konnte das Glas kaum halten, weil meine Finger noch immer eiskalt waren. Trotzdem war es das beste Bier, das ich seit langem getrunken habe. Die vielen Stunden Training, die kalten Finger, der Kampf gegen die Krämpfe in den Waden: Alles vorbei! Alles vergessen! Ich hatte es wirklich geschafft. Ich hatte keine Ahnung, ob der HERO Südtirol Dolomites wirklich das härteste Mountainbike-Rennen der Welt ist. Für mich war es das Härteste, das ich je gefahren bin und gerade deshalb auch das unvergesslich Schönste.

Warum der HERO Südtirol Dolomites so besonders ist

Blick auf Langkofel und Sellagruppe
© www.sellarondahero.com Blick auf Langkofel und Sellagruppe

Was macht die noch junge Hero Runde so besonders? Warum stürzen sich nur sieben Jahre nach dem ersten Rennen schon fast 5.000 Teilnehmer auf die Strecken? Für mich machen zwei Dinge das Rennen so besonders.

Zum einen ist das Marketing höllisch gut. Laute Musik pushed dich am Start und hebt dich im Ziel auf Wolke 7. Überall kannst du sehen und lesen, dass du nun auch Teil der erlesenen Heldengruppe bist, die das Rennen überstanden hat. Man fühlt sich, als wäre man Teil einer epischen Schlacht gegen die Naturgewalten. Dabei ist die Natur hier keinesfalls der Gegner.

Der zweite Grund: Geradezu surreal schön hat sich uns die Sellagruppe aus allen Perspektiven gezeigt. Man umrundet einen der schönsten und beeindruckendsten Berge des UNESCO-Welterbes der Dolomiten.

Das Wichtigste, um Durchzuhalten

  • Pannenwerkzeug ist essentiell. Bei einer Panne ist sonst das Rennen schneller vorbei, als man denkt. Das solltest du dabei haben:
    • Ersatzschlauch (am besten “Light” um Gewicht zu sparen)
    • Luftpumpe
    • Multitool
    • Ersatz-Schaltseil 
    • Kettenglied
       
  • Müsliriegel: Auch wenn es genug Verpflegungsstationen gibt, solltest du regelmäßig trinken und Müsliriegel essen. Wenn du Hunger oder Durst spürst, ist es oft schon zu spät. Am besten sind Riegel mit Hafer, ganz einfach weil sie am meisten Kalorien haben.
     
  • Viel trinken: Die vielleicht wichtigste Regel: Trinke immer und gleichmäßig. Wenn du beginnst zu krampfen ist das Rennen so gut wie vorbei.
     
  • Magnesium: Schon vor dem Rennen solltest du Magnesium in deine Getränke mixen. Magnesium trägt zur besseren Muskelfunktion bei und hilft Krämpfe zu vermeiden.
     
  • Mach langsam: Versuche so viel wie möglich im aeroben Bereich zu fahren. Wenn du die ersten Pässe zu schnell angehst, brichst du am Schluss komplett ein.
     
  • Hohe Frequenz fahren: Auch wenn es sich komisch anfühlt, wenn es mal nicht so steil ist: Bleib in kleinen Gängen und fahre in hoher Frequenz! Deine Beine können die kurze Verschnaufpause brauchen.
     
  • Rucksack ist kein Muss: Wir sind das Rennen ohne Rucksack gefahren und haben alles in der Satteltasche und noch zusätzlich am Rahmen angebracht.
     
  • Lange Handschuhe und Regenjacke: Wenn Regen oder ein Gewitter aufziehen, wird es auf über 2.300 Meter auch im Sommer sehr ungemütlich. Der Sommerregen ist hier eiskalt. Wenn du jetzt keine langen Handschuhe dabei hast, versteifen deine Finger und die Abfahrten werden richtig gefährlich.

Vorbereitung für Hobbyfahrer

Training im Bayerischen Wald: 1500 Höhenmeter pro Trainingseinheit reichen völlig!
© TouriSpo Training im Bayerischen Wald: 1500 Höhenmeter pro Trainingseinheit reichen völlig!

Um es vorweg zu nehmen: Du brauchst nicht dein komplettes Leben umkrempeln, um beim Hero bestehen zu können. Ich habe als Softwareentwickler und Redakteur bei TouriSpo zwareinen der schönsten Jobs der Welt, trotzdem verbringe ich 90 Prozent meiner Arbeitszeit vor dem PC. In meiner Freizeit fahre ich vielleicht alle zwei Wochen mal eine Mountainbike-Tour im Bayerischen Wald und im Normalfall hat so eine Tour nicht mehr als 1.000 Höhenmeter.

Um mich auf den HERO Südtirol Dolomites vorzubereiten, forciere ich mein Radtraining zwei Monate vor dem Rennen. Ich steige 2 bis 3 Mal die Woche aufs Rad und versuche die Bayerwald-Berge mehrmals hintereinander zu bezwingen. So schaffe ich im Training bis zu 2.000 Höhenmeter. Neben dem Radfahren mache ich aber auch allgemein Sport. Wenn du komplett unfit bist, solltest du schon eine längere Vorbereitungszeit einplanen.

Ein bisschen Geschichte

Im Jahr 2010 fand das HERO Südtirol Dolomites Rennen zum ersten Mal statt. Gerade einmal 400 Biker traten damals zum allerersten Hero der Geschichte an. Sieben Jahre später versuchen sich fast 5.000 Starter an “einem der härtesten MTB Rennen der Welt”. Zwar beanspruchen auch viele andere Mountainbike-Rennen diesen Titel für sich, doch sieben Jahre nach dem ersten Event gehört das Rennen im Südtiroler Wolkenstein ganz gewiss zu den Highlights und absoluten Kultrennen im MTB-Rennkalender.

Kolumbianer konnte schon vier Mal gewinnen

Die erste Idee zu einem MTB-Rennen im Grödnertal hatte der ehemalige italienische Skirennläufer Peter Runggaldier, der schon früh die Bedeutung des Radsports für den Sommertourismus in Südtirol erkannte. Beim ersten Rennen standen noch ausschließlich Italiener am Siegertreppchen. Mittlerweile hat sich der Kolumbianer Leonardo Hector Paez als absoluter Dominator herauskristallisiert. Ganze viermal hat er seitdem das Rennen auf der vollen Distanz von 86 Kilometer gewinnen können.

Videos

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Über den Autor
erstellt am 6 Jun 2017
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